Allgemeine Hinweise

In den wenigsten FĂ€llen geht es tatsĂ€chlich um die EinfĂŒhrung von Buchstaben, da die meisten Kinder bereits viele Buchstaben kennen, z.B. aus dem außerschulischen Bereich, vom eigenen Namen, durch Namen anderer Kinder oder durch die selbststĂ€ndige Arbeit mit der Lauttabelle (Lauttreppe).

Gib den Phonemen -Schulung der Wahrnehmung & Unterscheidung von Lauten- genug Raum! Das entsprechende Graphem sowie die korrekte Schreibrichtung sollten nicht am Anfang stehen.

Der Weg geht also vom Hören zum Schreiben – nicht umgekehrt. Egal, mit welchem Konzept gearbeitet wird, die vier Basisbereiche Hören, Sprechen, Sehen und Schreiben sind zu beachten.

Beate Leßmann „Buchstaben einfĂŒhren“ (03.09.2022, Instagram)

Vorgehen im Unterricht

GrundsĂ€tzlich beschĂ€ftigen wir uns im Unterricht mit einem Buchstaben (Laut) pro Woche, daher auch die Überschrift „Buchstabe der Woche“. SelbststĂ€ndige Arbeitsphasen wechseln sich kontinuierlich mit plenaren Phasen ab. Die aktive Bildung und Unterscheidung von Lauten sowie die Wahrnehmung der Buchstabenform (inkl. der Stolperstellen beim Schreiben) sind nur in der gemeinsamen Interaktion, also im Plenum, wirklich zielfĂŒhrend und fĂŒr alle umzusetzen.

Aber wo bleibt dann die Individualisierung?
Wie diese mit Hilfe eines individuellen Buchstabenweges gelingen kann, erfÀhrst du weiter unten im Beitrag. (Oder du liest hier weiter.)

Jeder „neue“ Buchstabe (Laut) wird von einer besonderen Aktion begleitet: Beim /eu/ habe ich beispielsweise das Bilderbuch „Heule Eule“ von Paul Friester/Philippe Goossens vorgelesen und die entsprechenden Bilder im Kamishibai gezeigt. Anschließend wurden viele bunte „Heule Eulen“ gebastelt und im Klassenzimmer aufgehĂ€ngt. Viele weitere Ideen findest du entweder in der Kartei „Anregungen von A bis Z“ im Materialpaket oder hier im Blog in meinem wachsenden →Ideenpool.

1. Der Wochenplan

Wochenplan (zum Buchstaben der Woche)

Innerhalb der ersten Schultage erhĂ€lt jedes Kind einen eigenen (laminierten) Wochen- bzw. Tagesplan zum „Buchstaben der Woche“. (TIPP: Vor dem Laminieren lasse ich die Kinder den Plan ausmalen und den Namen eintragen.) Anhand der Symbole sehen die Kinder, welche Aufgaben rund um den aktuellen Buchstaben noch zu erledigen sind. Mit einem Folienstift* werden dann alle vollstĂ€ndig bearbeiteten Aufgaben angekreuzt bzw. durchgestrichen.

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*Material-TIPP: Ich nutze gern die trocken abwischbaren Spezialstifte [Werbehinweis, externer Link] aus dem sternchenverlag.

2. Im Plenum

Die beiden obersten Aufgaben LERNEN und SPRECHEN -jeweils grau hinterlegt- werden gemeinsam im Plenum erarbeitet:

lernen
  • Das LERNEN erfolgt nach Abschluss der sechs Lernangebote im Kinositz.
  • Mit Hilfe der â€žGrundschrift“-Kartei* wird der Buchstabe der Woche genau unter die Lupe genommen (u.a. Zugehörigkeit zur Bewegungsgruppe, GrĂ¶ĂŸenverhĂ€ltnis im Schreibraum, Formwahrnehmung und Bewegungsverlauf) und dann an der Tafel vorgeschrieben. Je nach Bedarf werden Nachspur-Übungen aus der Kartei (s.u.) gemeinsam wiederholt.

Im Anschluss ĂŒben die Kinder den richtigen Bewegungsablauf beim Schreiben, z.B. auf der entsprechenden Seite im Schreiblehrgang. Wir nutzen zusĂ€tzlich ein klassisches „Schreiblernheft“ wie dieses [Werbehinweis, externer Link]. Darin habe ich den Kindern die entsprechenden Buchstaben (oder ersten Worte) vorgeschrieben.

Beim Schreiben sollten die Laute, fĂŒr die diese Zeichen stehen, immer mitgesprochen werden.

Beate Leßmann „Buchstaben einfĂŒhren“ (03.09.2022, Instagram)

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*Material-TIPP: Da ich mit der Grundschrift arbeite, nutze ich auch die entsprechende „Grundschrift-Kartei zum Lernen und Üben“ [Werbehinweis, externer Link] des Grundschulverbands. Wer sich nĂ€her mit dem Konzept dieser Schrift beschĂ€ftigen möchte, dem kann ich folgende Seite sehr ans Herz legen: GRUNDSCHRIFT [externer Link]. Dort finden sich neben allen Infos auch zahlreiche kostenlose Downloads (Selbstreflexionen, Lineaturen, ArbeitsplĂ€ne…).


sprechen
  • Das SPRECHEN erfolgt zunĂ€chst mit dem Üben eines Zungenbrechers* oder eines Reimes. (Dabei können die Kinder auch erraten, um welchen Buchstaben es wohl gehen wird…) Der passende Zungenbrecher oder Reim wird nun auf verschiedene Weisen gesprochen: langsam – schnell, leise – laut, singend, usw.
  • Der Laut wird auf der Lauttabelle gesucht und mit dem entsprechenden Bild sowie dem Handzeichen (der LautgebĂ€rde) verknĂŒpft. Der Laut wird deutlich ausgesprochen, die Entstehungsstelle nachgespĂŒrt, die Mundstellung beim Tischnachbarn beobachtet, die eigene Mundstellung im Spiegel betrachten u.Ă€.

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*Im Materialpaket zum Buchstaben der Woche findest du in den Anregungen von A bis Z zu jedem Buchstaben einen passenden Zungenbrecher oder Reim. Weitere Informationen zum Einsatz der Lauttabelle findest du etwas weiter unten im Bereich „schreiben“.

3. Die sechs Lernangebote

Im Materialpaket sind die folgenden sechs Aufsteller* enthalten, die die Symbole aus dem Wochenplan (s.o.) aufgreifen. Im PDF-Dokument direkt unter den Kurzvorstellungen findest du weitere ErlÀuterungen und zahlreiche Materialien / Ideen zur Erweiterung der einzelnen Angebote:

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*Material-TIPP: Ich nutze die transparenten Tischaufsteller „deflectoÂź“ (A6, schrĂ€g) von OTTO-Office [Werbehinweis, externer Link].

HÖREN

HÖREN
Der Laut wird wiedererkannt und im Kontext (z.B. Wort) gehört.

SPÜREN

SPÜREN (erfĂŒhlen & ablaufen)
Zuerst erfĂŒhlen die Kinder den Buchstaben der Woche in einem FĂŒhlsĂ€ckchen. Danach wird der bunte Kunststoff-Großbuchstabe [Werbehinweis: betzold.de] befĂŒhlt und mit dem Finger 5-mal in Schreibrichtung nachgespurt. Der Buchstabe wird mit Krepp- Klebeband auf den Boden geklebt & der Bewegungsverlauf mit Pfeilen markiert. Die Kinder „laufen“ den Buchstaben entsprechend der vier Auftragskarten ab (als motivationales Angebot fĂŒr etwas Bewegung – ohne didaktische AnsprĂŒche).

SUCHEN

SUCHEN (sehen)
Auf einem vorbereiteten DIN-A3-Poster klebt mittig der Buchstabe der Woche. Die Kinder suchen in Zeitungen, Zeitschriften, Werbeprospekten… nach dem Buchstaben und kleben ihre Funde auf. Parallel steht ein Buchstabentisch bereit, auf dem passende GegenstĂ€nde gesammelt werden können (Foto, s.u.)

LESEN

LESEN
Die Kinder finden den Buchstaben im → Buchstabengitter [externer LINK] und legen Muggelsteine. In der Leseecke kann -thematisch passend- gelesen & gestöbert werden. Blitz- und TandemleseĂŒbungen lassen sich ebenfalls integrieren.

SCHREIBEN

SCHREIBEN (nachspuren)
Zuerst arbeiten die Kinder mit den entsprechenden Karten aus der Grundschrift-Kartei. Groß- und Kleinbuchstabe werde jeweils 10-mal mit dem Finger in Bewegungsrichtung nachgespurt. Anschließend kann eine VerknĂŒpfung mit der Schreibzeit im Schreibbuch bzw. dem Schreiblabor stattfinden.

LERNEN (mit Medien)

LERNEN (mit Medien)
Die Kinder bearbeiten ausgewÀhlte digitale Angebote (z.B. von ANTON oder leseludi.de) rund um den Buchstaben der Woche.

☞ Download

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Link zu meinem Material auf eduki.com/de

⚠ Das ĂŒberarbeitete Materialpaket mit allen o.g. Dateien ist ab sofort wieder bei eduki unter der Material-ID 182658 fĂŒr 5,00 EUR 3,00 EUR (bis 08.08.23) erhĂ€ltlich.

4. Der individuelle Buchstabenweg

Bereits nach wenigen Wochen (oder sogar Tagen) wirst du feststellen, dass die Unterschiede im Arbeitstempo und im Leistungsniveau immer weiter auseinandergehen. Kinder kommen eben mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen, Erfahrungen und einem breitgefĂ€cherten Vorwissen in die Schule. Diesen Bedingungen mĂŒssen wir gerecht werden.

Wenn sich die AblĂ€ufe & Aufgaben an den einzelnen Lernangeboten langsam setzen, ist es an der Zeit, den Buchstabenweg zu öffnen. Die Kinder erhalten dazu das gleichnamige AB* (bzw. den 1. Teil). VollstĂ€ndig erarbeitete Laute werden ab sofort dort ausgemalt, gleichzeitig gibt es einen Überblick ĂŒber den weiteren Lernweg. VollstĂ€ndig bedeutet, dass sich allen sechs Lernangeboten beschĂ€ftigt wurde und abschließend die entsprechende Seite im Arbeitsheft bearbeitet worden ist. Diese muss mir immer vorgezeigt werden, damit ich mir das Abschlussdatum auf einer „Übersichtsliste“ notieren kann. Danach können die Kinder selbststĂ€ndig mit der Arbeit am nĂ€chsten Laut starten. (Zur Einstimmung & Vorbereitung mĂŒssen sie allerdings entweder eine ausgewĂ€hlte Aufgabe in ANTON erledigen oder einen kurzes ErklĂ€rvideo zum jeweiligen Laut anschauen. Es wird also immer mit einer „Medien“-Aufgabe begonnen!) Im spĂ€teren Verlauf des Schuljahres verkĂŒrzen wir hĂ€ufiger die Arbeit an den einzelnen Lauten oder lassen bestimmte Lernangebote entfallen – abhĂ€ngig vom jeweiligen Leistungsstand & Interesse des Kindes.

Die Plenumsphasen bleiben davon unberĂŒhrt. Jedem Laut widmen wir wöchentlich mindestens zwei solcher gemeinsamen Interaktionen, um die Aufmerksamkeit auf die Schulung der Wahrnehmung und Unterscheidung von Lauten zu richten, die Buchstabenform mit möglichen Stolperstellen in den Blick zu nehmen oder den Buchstabentisch mit dem gesammelten FundstĂŒcken der Kinder zu besuchen. Eine solche Phase dauert in der Regel zwischen 10 und maximal 25 Minuten. Zur Erinnerung:

Laute und Buchstaben zu koppeln, ist das wichtigste Ziel im Schriftspracherwerb. Diese FĂ€higkeit erwirbt man nicht mit viel Papier.

Beate Leßmann „Buchstaben einfĂŒhren“ (03.09.2022, Instagram)

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*Werbehinweis: Der im Materialpaket enthaltene Buchstabenweg bezieht sich auf die Arbeitshefte 1 und 2 von Beate Leßmann (erschienen im Dieck-Verlag [externer Link], 3. Auflage 2022).

5. Feste Schreib- und Lesezeiten

Neben der Arbeit am Buchstabenweg und der „BuchstabeneinfĂŒhrung“ besteht mein Deutschunterricht im ersten Schuljahr aus folgenden zwei Bausteinen:

  • Schreibzeit: Einmal wöchentlich findet eine freie Schreibstunde mit unserem Milobuch statt. Weitere Infos hierzu kannst du hier oder in meinem Insta-Beitrag „Freie Schreibzeiten einrichten“ vom 22.01.2022 nachlesen. Zentrales Werkzeug in den ersten Schulwochen ist hierbei die Lauttreppe (Schreibtabelle / Lauttabelle).
  • Lesezeit: Ebenfalls einmal wöchentlich findet eine freie Lesestunde statt. Im Wechsel mit der Schreibzeit eröffnen wir diese meistens mit einem Wort des Tages. Zentrale Inhalte der Lesestunden sind zum einen das Blitz- bzw. Tandemlesen und zum anderen das Vorlesen mit Kamishibai oder animierter PPT-PrĂ€sentation…

Noch mehr ĂŒber den Unterricht im 1. Schuljahr erfĂ€hrst
du auch in diesem Blogbeitrag â†’
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